Der Blindensturz // Pieter Bruegel d.Ä.

Transkript anzeigen

00:00:00: Es gibt Niederlagen, die fühlen sich einfach nicht an wie so ein einzelnes verlorenes Spiel.

00:00:10: Absolut nicht!

00:00:10: Sie fühlen sie eher an wie der Moment in dem plötzlich sichtbar wird das da schon länger was nicht gestimmt hat?

00:00:17: Dass da irgendwas im Kern kaputt ist?

00:00:19: Genau das.

00:00:20: und genau deshalb schauen wir heute auf Brügels Gemälde den Blindensturz.

00:00:26: Das sind sechs Männer blind Komplett aufeinander angewiesen.

00:00:31: Der erste ist schon gefallen, der zweite verliert gerade den Halt und die anderen...

00:00:36: Da die Anderen folgen quasi unweigerlich

00:00:39: Richtig!

00:00:39: Man sieht diese Katastrophe einfach bevor sie überhaupt vollendet ist.

00:00:42: Ja und damit willkommen zu diesem Deep Dive.

00:00:45: Wir greifen heute dieses wirklich schmerzhafte deutsche Ausgegenparagoi auf.

00:00:50: Aber ganz wichtig vorab wir machen hier jetzt keine klassische Sportreportage draus

00:00:56: Auf keinen Fall Nee.

00:00:57: Wir analysieren jetzt keine verpassten Torchancen, keine falschen Auswechslungen oder sowas.

00:01:03: Wir nehmen dieses sehr spürbare kollektive Versagen auf dem Platz einfach als Symptom für was viel größeres.

00:01:10: Für ein universelles Phänomen eigentlich das uns alle betrifft?

00:01:14: Genau!

00:01:15: Denn die Frage die dahinter steht an dich als Zuhörer ist brutal simpel aber extrem schwer zu beantworten Was passiert eigentlich mit einer Gruppe?

00:01:24: also sei es deine Abteilung im Job Dein Freundeskreis, vielleicht sogar eine ganze Gesellschaft.

00:01:30: Wenn die Führung zwar Orientierung vorgibt in Wahrheit aber selbst völlig blind ist?

00:01:36: und um das wirklich zu greifen reisen wir heute zurück und zwar ins Jahr fifteenhundertsechzig.

00:01:42: Richtig Peter Brügel der Ältere hat dieses Phänomen in seinem Gemälde, der Blindensturz – oder manche nennen es auch die Blinden – visuell so messerscharf sie ziert.

00:01:53: Das ist bis heute als die ultimative Faltstudie für kollektives Scheitern gelten

00:01:58: kann.".

00:01:59: Absolut.

00:02:00: Es ist im Grunde wirklich die Anatomie einer Katastrophe in Echtzeit.

00:02:03: Dann lass uns doch da direkt mal reinspringen, nimm' uns mal visuell mit in dieses Werk!

00:02:07: Also stell dir vor du hörst uns gerade im Auto oder beim Joggen zu.

00:02:11: was genau sehen wir da auf diesem Bild?

00:02:13: Okay also wir befinden uns in so eine typisch flehmischen Landschaft.

00:02:17: es ist ein farler Tag.

00:02:19: das Bild an sich ist extrem horizontal angelegt aber quer durch diese Szenerie schneidet so ne scharfe abwärts gerichtete Linie.

00:02:28: Und da sind diese sechs blinden Männer, die gehen hintereinander her und sie sind alle physisch miteinander verbunden.

00:02:36: Also Sie berühren sich quasi?

00:02:37: Genau!

00:02:38: Der zweite hält den Stock des Ersten, der dritte hat die Hand auf der Schulter des Zweiten usw.. Es ist wirklich eine Kette des absoluten Vertrauens.

00:02:49: Krass okay

00:02:51: Aber der Fokus, also das was einem sofort ins Auge springt reißt unseren Blick direkt nach links unten in die linke vordere Ecke des Bildes.

00:02:59: Zu dem Mann, der schon liegt.

00:03:01: Exakt!

00:03:02: Der Anführer dieser Gruppe ist bereits in eine tiefe Grube gestürzt und Brügel malt es jetzt nicht irgendwie abstrakt sondern mit einer unfassbaren medizinischen und physikalischen Präzision.

00:03:13: Ja, das sieht richtig brutal aus

00:03:14: Total...der Körper von diesem ersten Mann, er liegt komplett verdreht am Boden auf dem Rücken.

00:03:21: Seine Beine ragen noch so ganz unnatürlich in die Luft, sein Kopf ist hart in den Nacken geworfen der Mund steht weit offen.

00:03:29: also es wirkt wie ein stummer entsetzter Schrei und seine Augen oder vielmehr das was davon noch übrig ist starren einfach ins Nichts.

00:03:38: Er hat den Tiefpunkt quasi schon erreicht.

00:03:40: Der Fall ist für ihn abgeschlossen.

00:03:45: was mich an dieser Szene aber am meisten umtreibt.

00:03:48: Was denn?

00:03:48: Es ist gar nicht diese erste Mann, weil der ist schon weg!

00:03:52: Das ist passiert, das Schicksales besiegelt.

00:03:54: Mein Blick klebt die ganze Zeit einem zweiten Mann.

00:03:57: Ah ja, der direkt

00:03:57: dahinter?!

00:03:58: Ja...

00:03:59: Der ist in diesem einen grausamen Sekundenbruch teilgefangen.

00:04:03: Er steht zwar noch auf seinen Füßen, aber die Schwerkraft hat ihn eigentlich schon besiegt.

00:04:07: Er kippt schon und Sein Gesicht ist uns also dem Betrachter zugewandt, die Gesichtszüge sind völlig entgleist.

00:04:16: Er stolpert unweigerlich über den Mann am Boden und du siehst förmlich wie ihm in genau diesen Moment dämmert dass dieser Stock an den er sich die ganze Zeit geklammert hat ihn nicht führt

00:04:27: Sondern in den Abgrund zieht.

00:04:29: Genau!

00:04:30: Er zieht ihn mit runter.

00:04:32: Es is diese Schreckliche noch nicht und gleichzeitig zu spät.

00:04:36: Weißt du, das ist wie stell dir vor?

00:04:37: Wie ein Glas dass du mit dem Ellenbogen aus versehen vom Tisch stößt.

00:04:41: Oh ja!

00:04:41: Das Gefühl kennt jeder.

00:04:42: Du siehst es fallen deine Hand zuckt noch hinterher.

00:04:46: aber du weißt in deinem Top schon... ...das Ding is'n einer Millisekunde in tausend Teilen.

00:04:50: Ja, das i's nen super Vergleich.

00:04:53: Und um diesen Effekt noch zu verstärken nutzt Brügel einen echten psychologischen Kunstgriff.

00:05:00: Er setzt nämlich einen radikalen Kontrast in den Hintergrund.

00:05:03: Okay wir haben diese Unfassbare Dynamik des Scheiterns im Vordergrund.

00:05:09: Also fallende Körper, aufgerissene Münder, absolute Panik!

00:05:14: Aber dahinter...

00:05:15: ...völlige Stille oder?

00:05:16: Genau, völlige Stille eine total friedliche Landschaft.

00:05:20: da sind Bäume ein paar Gänsel laufen rum Ein einfacher Weg und eine Dorfkirche die extrem stabil und ruhig einfach dasteht.

00:05:30: Da ist auch kein Unwetter oder so?

00:05:31: Nein das Wetter ist völlig normal Keine dunklen Gewitterwolken, kein Sturm, kein Blitzschlag der diese Männer jetzt irgendwie überraschend zu Fall bringt?

00:05:42: Weißt du

00:05:42: das ist für mich ein ganz zentraler Punkt.

00:05:44: Das bedeutet ja dieses System zerstört sich komplett selbst von ihnen!

00:05:50: Da gibt es gar keinen Feind von außen.

00:05:52: Richtig!

00:05:52: Also kein Pech, kein Unwetter keine höhere Gewalt auf die man schieben könnte.

00:05:57: Die Ursache für den Absturz ist einfach die Konstruktion dieser Gruppe selbst.

00:06:01: Exakt Aber... Lass mich da mal kurz in die Historie einhaken.

00:06:06: Wir reden hier ja über das Jahr fünftzehnhundert achtundsechzig.

00:06:10: Warum malt jemand im sechzehnten Jahrhundert, wo Kunstjahr oft so eine Auftragsarbeit für reiche Adelige war um die irgendwie gut aussehen zu lassen?

00:06:19: Warum malt der sechs zerlumpte blinde Bettler, die ihn einen Graben stürzen?

00:06:24: Ich meine es war doch bestimmt kein Bild dass sich irgendjemand gerne über den Estisch gehängt hat.

00:06:29: Definitiv nicht, nein.

00:06:30: Um das zu verstehen müssen wir uns wirklich mal die Lebensrealität von fünftzehn achtundsechzig in den Niederlanden ansehen.

00:06:38: Das war absolut keine röde Zeit!

00:06:40: Es war der Beginn des achtzigjährigen Krieges – Die Nieder lande standen damals unter spanischer Herrschaft.

00:06:47: und genau in dieser zeit schickte der spanische König Den berüchtigten Herzog von Alba in die Region Und zwar um den aufkommenden Protestantismus mit brutaler Gewalt niederzuschlagen

00:06:58: Also totale Unterdrückungen.

00:07:00: Richtig!

00:07:01: Es gab den sogenannten Blutrat, tausende von Menschen wurden hingerichtet.

00:07:07: es herrschte einfach pure Paranoia.

00:07:09: die ganze Gesellschaft war zutiefst gespalten.

00:07:12: alte Gewissheiten lösten sich plötzlich auf.

00:07:15: niemand wusste mehr weh mehr vertrauen konnte.

00:07:18: und genau in dieser Atmosphäre der totalen Verunsicherung malt Brügel dieses Bild.

00:07:23: Okay, das heißt er illustriert hier nicht nur irgendwie stumpf dieses biblische Gleichnis.

00:07:27: Also dieses aus dem Matthäus Evangelium nach dem Motto Wenn ein Blinde einen blinden führt fallen beide in die Grube.

00:07:34: Das war ja eigentlich glaube ich ein recht bekanntes Sprichwort damals.

00:07:38: Ja das war sehr geläufig!

00:07:39: Das Bild ist also vielmehr ein echt harter politischer oder gesellschaftlicher Kommentar.

00:07:43: Es ist eine extrem scharfe Zeitdiagnose.

00:07:47: Die physische Blindheit, die Brügel da so realistisch malt... Kunsthistoriker haben übrigens festgestellt, dass er fünf verschiedene medizinisch absolut korrekte Augenkrankheiten detailliert dargestellt hat.

00:07:59: Warte im Ernst!

00:08:01: Fünf verschiedene?

00:08:02: Ja Wahnsinn, oder?

00:08:04: Und diese Blindheit ist eine schonungslose Metapher für geistige Verblendung.

00:08:10: Für eine Gesellschaft die in einer existenziellen Krise steckt und Führungspersonen hinterherläuft, die in Wahrheit selbst überhaupt keinen Ausweg kennen!

00:08:19: Rügel zeigt da verletzliche Menschen, die durch ihre extreme Abhängigkeit voneinander massiv gefährdet sind.

00:08:27: Jeder Einzelne in dieser Kette übernimmt vollkommen blind die Richtung des Vordermannes.

00:08:33: Das Grauen liegt hier also gar nicht im Spektakel des Sturzes an sich, sondern wirklich in seiner Unaufhaltsamkeit.

00:08:39: Wir sehen diese fatale Diagonale und da muss ich jetzt einfach mal den Advokatus Diaboli spielen weil wenn Ich mir das so ansiehe frage ich mich wir haben Den ersten der liegt dem zweiten der gerade stürzt.

00:08:53: aber was ist denn mit mann nummer vier fünf und sechs?

00:08:56: gute Frage

00:08:57: Die haben doch noch festen Boden unter den Füßen.

00:09:00: Warum lassen die nicht einfach den verdammten Stock los?

00:09:03: Wenn ich doch spüre, dass der Typ vor mir ruckartig nach unten gerissen wird... ...dann trete ich doch instinktiv einen Schritt zurück!

00:09:09: Warum brechen die nicht aus dieser Kette

00:09:11: aus?!

00:09:12: Ist das Dummheit?

00:09:13: Das ist genau die Frage, die das Bild uns aufzwingt.

00:09:17: und nein es hat rein gar nichts mit Dummheid zu tun.

00:09:20: Es hat mit tief verwurzelten psychologischen Mechanismen zu tun.

00:09:25: In der modernen Psychologie würden wir hier über Phänomene wie Systemträgerheit oder Groupthink

00:09:31: sprechen.

00:09:32: Eine Gruppe ist ja oft durch eine gemeinsame Geschichte, durch Hierarchien oder einfach durch die nackte Not miteinander verbunden.

00:09:38: Ja logisch!

00:09:39: Die Männer bei Brugel haben nichts anderes als einander.

00:09:42: Wenn du in völliger Dunkelheit lebst, ist der Stock des Vordermanns deine einzige Realität – deiner einzige Verbindung zur Welt.

00:09:50: Ihn loszulassen bedeutet ins absolute Nichts zu treten.

00:09:54: Es erfordert paradoxerweise viel, viel mehr Mut und kognitive Energie

00:09:59: mitten

00:09:59: in der Bewegung anzuhalten.

00:10:01: Und diese Verbindung zu kappen als einfach weiter in die Vertraute wenn auch falsche Richtung zu gehen.

00:10:07: Ah!

00:10:08: Das ist im Grunde wie die Sankt Kostfellesi des Vertrauens?

00:10:11: Ganz genau

00:10:12: Weißt du so nach dem Motto Ich habe diesem Anführer jetzt schon solange vertraut.

00:10:17: ich bin ihm hunderte Kilometer gefolgt.

00:10:20: Wenn ich jetzt los lasse und sage Der führt uns ins Verderben Dann muss ich mir ja selbst eingestehen, dass meine ganze bisherige Reise eigentlich ein einziger Fehler war.

00:10:30: Richtig das tut weh!

00:10:31: Also halte ich lieber an der Illusion fest, dass er schon irgendwie wissen wird was er tut?

00:10:37: Selbst wenn die Indizien längst dagegen sprechen.

00:10:39: Exakt

00:10:40: Brüggel zeigt uns den katastrophalen Moment in dem dieses Vertrauen in absolute Lebensgefahr umschlägt Und zwar deshalb, weil wir als Menschen extrem dazu neigen, Autorität oder so eine formelle Position automatisch mit Weitsicht gleichzusetzen.

00:10:54: Ja stimmt!

00:10:56: Wer den Titel hat wird schon den Plan haben.

00:10:58: Genau.

00:10:59: Wir glauben wer ganz vorne steht wer Chef ist der sieht auch besser.

00:11:02: aber das es ein fataler Druckschluss.

00:11:04: Eine Führungsposition ist eben kein Beweis für Weitsich.

00:11:09: Wenn derjenige der die Richtung vorgibt selbst den Durchblick verloren hat Dann wird diese Kette der Loyalität schlichtweg zur Todesfalle.

00:11:18: Eine Führungsposition ist kein Beweis für Weitsicht.

00:11:23: Das ist echt ein Gedanke, der uns Wison Katapult direkt in die Gegenwart schleudert.

00:11:29: Zurück auf den Fußballplatz!

00:11:31: Zurück zu diesem unfassbar schmerzhaften Spiel gegen Paraguay

00:11:35: Ja?

00:11:35: Wenn ich Brügels Gemälde jetzt mal als Schablone über dieses Auslege ändert das für mich komplett die Art und Weise wie ich diese Niederlage eigentlich bewährte.

00:11:43: Inwiefern?

00:11:44: Wie meinst du das genau?

00:11:45: Naja, normalerweise diskutieren wir doch noch so ein Turnier aus immer über ganz banale Dinge.

00:11:49: oder hat der Trainer das falsche System spielen lassen?

00:11:52: stand die Viererkette vielleicht zu hoch.

00:11:54: Ja, die üblichen Experten Talks halt!

00:11:56: Genau haben sie beim Aufwärmen schon nervös gewirkt.

00:11:59: aber das ist auch eigentlich alles nur Symptombehandlung.

00:12:02: Brügel zwingt uns hierzu der wesentlich schmerzhafteren Diagnose.

00:12:06: Eine Niederlage ist manchmal einfach der Moment, in dem sichtbar wird, dass die Orientierung schon viel früher verloren war.

00:12:13: Ja

00:12:13: absolut!

00:12:14: Das Paraguay-Spiel an sich war gar nicht der Auslöser der Krise – es war einfach nur die Grube, in die der erste dann reingefallen ist... Das ganze System hat vorher schon massiv gewackelt.

00:12:24: Das ist wirklich die perfekte Übertragung, im Sport und das gilt für Unternehmen ganz genau so sehen wir ganz oft Gruppen, die einer Richtung folgen, die eigentlich längst überhaupt keine Sicherheit mehr bietet.

00:12:35: Wenn dann der Druck von außen steigt wie in so einem KO-Spiel, dann bricht plötzlich nicht nur ein einzelner Formschwacherspieler ein.

00:12:42: Das gesamte Kollektiv stürzt weil diese verbindende Linie reißt!

00:12:47: Der Fußball liefert uns hier im Grunde für Brügels total zeitlose Diagnose.

00:12:53: Wer führt hier eigentlich wen?

00:12:56: Und noch wichtiger, wohin?

00:13:00: Da muss ich dich jetzt aber doch mal kurz herausfordern.

00:13:03: Gerne!

00:13:04: Wenn wir über Führung im Fußball reden dann haben wir doch oft ein ganz bestimmtes typisches Bild im Kopf

00:13:09: Den Alphalider

00:13:11: Ja den klassischen Lautsprecher diesen Spieler der wildgestikulierend über den Platz rennt die Ärmel hoch krempelt Mitspieler richtig anschreit und laut Kommandos brüllt.

00:13:22: Die Kommentatoren im Fernsehen die überschlagen sich dann ja meistens.

00:13:26: Endlich geht er einer voran, der zeigt Präsenz.

00:13:29: das ist ein echter Kapitän!

00:13:31: Das ist doch eine Form von Orientierung.

00:13:33: Ich meine in einer Krisensituation ist es doch besser wenn einer laut nach links schreit als wenn alle einfach nur schweigend erstarren oder nicht?

00:13:41: Das ist vielleicht echt einer der gefährlichsten Irrtümer überhaupt die wir da haben.

00:13:45: Wieso?

00:13:46: Weil wir laut stärken permanent mit Blickrichtung verwechseln.

00:13:50: Im Fußball aber auch anderswo wird Führung unglaublich oft mit Ansage verwechselt, aber Ansagen sind nun mal keine Orientierung.

00:13:58: Selbst Gewissheit ist kein Sehen!

00:14:00: Okay, warte... Lass uns da kurz bleiben.

00:14:04: Du meinst also diese Aktionismus dieses Schreien auf dem Platz das es eigentlich in Wahrheit ein Zeichen von völliger Orientierungslosigkeit?

00:14:14: In der Verhaltenspsychologie nennt man das den sogenannten Action-Bias.

00:14:18: Das ist diese menschliche Tendenz, in unklaren oder sogar bedrohlichen Situationen lieber blind in Aktion zu treten, irgendwas zu machen als innezuhalten und die Lage erst mal zu

00:14:28: analysieren.".

00:14:29: Bei nichts tun sich in einer Krise irgendwie wie Versagen anfühlt.

00:14:32: Ganz genau, der Kapitän schreit und fuchtelt rum weil er selbst eigentlich die Kontrolle über das Spiel komplett verloren hat.

00:14:38: Er will dieses Vakuum füllen!

00:14:40: Aber wenn ich jetzt als Vordermann bei Brügel mit tiefer Überzeugung und richtig lauter Stimme rufe Männer mir nach hier ist alles sicher und dabei voll in die Grube trete dann nützt meiner Entschlossenheit einfach niemandem etwas.

00:14:56: Krass ja

00:14:57: Brügel macht auf seinem Bild unmissverständlich klar.

00:14:59: Wareführung beginnt nicht mit dem Mund, sie beginnt nichts mit Lautstärke sondern mit den Augen.

00:15:06: Sie beginnt mit der Wahrnehmung Mit dieser Fähigkeit die Lage rechtzeitig zu erkennen und die Richtung dann auch zu ändern bevor der Sturz absolut unvermeidbar wird.

00:15:15: Das hast

00:15:15: du fantastisch auf den Punkt gebracht!

00:15:18: Ähm... das bedeutet ja im Umkehrschluss Nicht-der-Sturz.

00:15:21: an sich ist das eigentliche Problem.

00:15:23: Das Problem ist die Kette, die zum Sturzz führt

00:15:26: Genau.

00:15:26: Die Tatsache, dass auf dem ganzen Weg bis hin zu dieser Grube niemand in dieser Mannschaft den Mut die Klarheit oder auch die Unabhängigkeit hatte?

00:15:37: Mal zu sagen Leute stopp!

00:15:40: Wir laufen hier gerade kollektiv in die völlig falsche Richtung.

00:15:42: Richtig und genau das unterscheidet eben ein einfach nur unglückliches Ausscheiden.

00:15:47: Sagen wir mal durch einen wirklich unhaltbaren Sonntagsschuss In der neunzigsten Minute von einem systemischen Kollaps Einen Sonntagsschuss, das ist wie ein Blitzschlag bei Brügel.

00:15:57: Das wären dann wirklich diese höhere Gewalt von außen.

00:16:00: Aber der Blindensturz ist ein rein innerer Zerfall!

00:16:04: Eine Mannschaft verliert einen Spiel wie dieses gegen Paraguay nicht erst in dem Moment wenn der Schiedsrichter abpfeift und der Ball hinten im Netz zappelt.

00:16:10: Nein sie verliert es lange freue.

00:16:12: Exakt Sie verliert in dem moment indem die interne Struktur kollabiert Wenn einfach keiner mehr weiß welchem Blick, welchem Plan oder welche Vision er eigentlich noch trauen.

00:16:22: soll

00:16:24: mir dieses Kunstwerk aus dem Jahr fifteenhundertsechzig wirklich einen echten Schauer über den Rücken jagt, weil das ist ja gar keine abstrakte Historie über die wir hier reden.

00:16:34: Überhaupt nicht!

00:16:35: Es ist im Grunde die Blaupause für jedes dysfunktionale Team-Meeting dass ich je in meinem Leben miterlebt habe.

00:16:41: Für Unternehmen, die sehenden Auges in die Insolvenz schlittern – einfach nur weil der CEO eine Powerpoint-Präsentation mit so unfassbar viel Selbstbewusstsein vorträgt, dass sich im Raum niemand mehr traut, die grundlegenden Geschäftszahlen infrage zu stellen.

00:16:54: Ja man trottet einfach hinterher

00:16:55: Genau!

00:16:56: Man greift dem Vordermann an die Schulter, hält sich am Stock fest und hofft einfach das vorne irgendjemand die Augen offen hat.

00:17:01: Und der blinden Sturz fragt eben nicht wer am lautesten geführt hat?

00:17:06: Er fragt, wer wirklich gesehen hat.

00:17:09: Das Bild ist im Grunde ein stummes Plädoyer für kognitive Unabhängigkeit.

00:17:15: Es fordert uns wirklich auf die Augen aufzumachen und die Mechanismen unserer eigenen Abhängigkeiten mal kritisch zu prüfen.

00:17:24: Wem vertrauen wir da eigentlich?

00:17:26: Auf welcher Basis tun wir das?

00:17:28: Ist es nur Gewohnheit oder Bequemlichkeit?

00:17:32: Oder ist es wirklich fundiertes Vertrauen in jemanden, der die Realität wahrnimmt?

00:17:36: Das wirft echt ein völlig neues Licht auf diese alte Floskel vom blinden Vertrauen.

00:17:40: Wir sagen das ja im Alltag oft als was total Positives so – den vertraue ich blind!

00:17:45: Aber Brügel sagt uns hier eigentlich?

00:17:47: du das niemals.

00:17:48: Blödes, blindes Vertauen in einem System oder eine Führungsperson ist mit das gefährlichste, was einen Mensch überhaupt tun kann.

00:17:54: Am Ende bleibt dieses Bild wirklich stehen wie ein Urteil ohne Lautstärke sechs Menschen in einer Landschaft verbunden durch Vertrauen und verloren durch falsche Führung.

00:18:04: Brögel zeigt da nicht einfach nur einen Unfall, er zeigt den präzisen Moment, indem eine Richtung zur Katastrophe wird – und vielleicht ist das am Ende die härteste Frage nach jeder Niederlage?

00:18:16: Nicht nur wer am Ende gefallen ist sondern warum niemand rechtzeitig gesehen hat wohin der Weg eigentlich führte!

00:18:23: Das

00:18:23: sitzt.

00:18:23: Das ist ein Gedanke, den wir hier jetzt auch nicht einfach verpuffen lassen wollen.

00:18:27: Bevor du gleich die Kopfhörer abnimmst oder aus dem Auto steigst, nimm diesen Gedanken heute mal mit in deinen eigenen Alltag.

00:18:33: Schau dir mal die Ketten an, in denen du dich selbst bewegst.

00:18:37: Denk an deine eigene Position im Umfeld, in deinem Verein oder in dein Job.

00:18:42: Bist du da vielleicht selbst manchmal die dritte oder vierte Person in genauso einer Reihe?

00:18:47: Die Person, die aus purer Routine Vielleicht aus Angst vor dem Konflikt oder einfach nur aus Trägheit weitergeht, nur weil der Vordermann noch einen Fuß vor den anderen setzt.

00:18:57: Ja das sollte man sich oft fragen.

00:18:59: Hast du in letzter Zeit mal geprüft ob da vorne wirklich noch jemand die Augen offen hat?

00:19:04: Oder delegierst du deine eigene Orientierung auch oft an Leute, die einfach nur laut genug rufen können?

00:19:10: Lass es mal in Ruhe sacken und bis zu unserer nächsten Analyse!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.